An meine Mit - Schülerinnen und Schüler:  


Kennt Ihr das auch? Draussen ist es heiss. Im Klassenzimmer ist es drückend. Der abgestandene Geruch von Schule, den Generationen von Schüler zuvor produziert haben, seit mindestens hundert Jahren, hängt in der Luft - und gleich ist Sportunterricht! Kollektives Schwitzen in der Turnhalle! Da riecht es doch nach alten Socken! Den Trick mit dem Thermometer, ....den glaubt uns eh keiner mehr .... da ist keine Chance auf hitzefrei! Im Sommer sollte Sport im Schwimmbad sein. Die Turnhalle ist etwas für den Winter. .... Und dann wieder dies ewige "Wer springt höher, weiter? Wer läuft schneller? Wer ist größer, schlauer, toller?" Dasselbe wie in Mathe, Englisch, Deutsch, Bio, .... . Was hat DAS bitte mit Spaß an Bewegung zu tun?

In unserer Schule war das für ein Jahr ganz anders.
Wir hatten in Sport "Tauchen".

Keiner von uns konnte vorher schnorcheln. Alle haben ganz neu mit dem Tauchen angefangen. Eine Tauchlehrerin hat mit uns den Unterricht gemacht. Wir waren alle fremd für sie, so konnte jeder ganz neu anfangen. Wir haben Masken und Schnorchel bekommen. Das damit Atmen ist gar nicht so einfach. Nur durch den Mund atmen. Und mit vollem Mund ist nichts mit Reden. Dann kamen die Flossen dazu und plötzlich waren die "lahmen Enten" genauso schnell wie die Muskelmänner. Irre wurde es als die Tauchlehrerin uns zum langsam schwimmen aufforderte. LANGSAM SEIN - und das in der Schule. Völlig durchgeknallt! Das wurde noch getoppt mit der Aufgabe gleichschnell bzw. LANGSAM zu schwimmen.

 

Aufeinander aufpassen sei wichtig. "Tauche nie allein!" bekamen wir mindestens zweimal zu hören (beim ersten Mal hatte garantiert Einer nichts mitbekommen). Aber, wenn ich ganz ehrlich bin: Es hat sich toll angefühlt gleichschn.. gleichlangsam zu sein. Als wir dann an die Druchlufttauchgeräte durften, wurde es noch viel viel besser. Erst wurde alles genau erklärt. Vom Wasserdruck, vom Atmen, von unserem Blut und von den Gasen wurde erzählt.Aufeinmal machten die letzten HalbjahrePhysik und Bio einen praktischen

..
Sinn. Hätt mir das jemand vorher gesagt,... Leute, ich hätt in beiden Fächer bestimmt einen Zähler besser abgeschnitten. Egal - jetzt weiss ich Bescheid. Sonst hätt ich auch nicht mit der Flasche tauchen dürfen. Da war die Tauchlehrerin garnicht mehr locker, sondern ganz schön streng. Hat sich gelohnt. Das Flaschentauchen ist irre, cool, affengeil. Und immer viel zu kurz. Es macht süchtig, sagt die Lehrerin und die muss es ja wissen. Die kam wieder mit "Nie Allein" und auf den Kumpel aufpassen, und gleichlangsam sein. Und jedesmal, wenn einer dachten "Jetzt kann ich alles", fiel ihr noch ´ne neue Ferkelei ein. Da gab es "Blindenführungen" unter Wasser, Wechselatmung, Unterwasserrugby, ins dunkle und tiefe Loch eintauchen,

und immer aufpassen auf den Tauchpartner, .. egal ob ich ihn mag. Verantwortung ist wichtiger, klar?! Also, Leute nix wie weg von Schulbank und Turnhalle - rein ins kühle Nass! In den Ferien ging es für mich nur ins Freibad und an den Baggersee. Mit meiner ABC- Ausrüstung konnte ich endlich sehen, was in den Tümpeln rumschwimmt. Dank Biobuch weiss ich, dass es Hechte, Flussbarsche, Flusskrebse, Wandermuscheln, Armleuchteralgen und Aale waren. Und ganz viele kleine Fische und jedemenge Grünzeug, das ich nicht wirklich benennen kann. Und die Fatima, die ist zur Familie in die Türkei ans Meer - und dort hat sie ein Tauchabzeichen Bronze gemacht. Die Erzieherfraktion hatte die Euros locker gemacht und zahlte ihr die schönen Tauchgänge. War wohl günstig , weil sie im Schulsport schon so viel gelernt hatte. Der Unterricht hatte sich diesmal wirklich gelohnt.

Runter von der Schulbank - ab ins Schwimmbad - und dann rein in den See - und ins Meer zu den bunten Fischen.

(Euer Pressluftjunkie)